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Haben Religionen keinen Platz im Ethikunterricht?

Von: Andrea Härtel

Informationen über bestehende Kooperationen zwischen Ethikunterricht und Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften

Im Berliner Schulgesetz wird ausdrücklich bestimmt, dass einzelne Themenbereiche des Ethikunterrichts in Kooperation mit den Anbietern des Religions- und Weltanschauungsunterrichts gestaltet werden sollen. Dabei bleibt es den jeweiligen Schulen überlassen, ob und in welcher Form solche Kooperationen durchgeführt werden ( § 12 Abs. 6 SchulG). Eine Zusammenarbeit von Ethiklehrkräften mit Vertreterinnen und Vertretern von Religions-und Weltanschauungsgemeinschaften findet zur Zeit an einzelnen Berliner Oberschulen – nach Presseinformationen 60 – in der Form sogenannter „Begegnungs- und Phasenmodelle“ statt.

Problematisch sind solche Formen der Zusammenarbeit, wenn sie über einzelne Themenbereiche und Unterrichtsphasen hinaus eine dauerhafte Kooperation von Ethik und Religions- oder Weltanschauungsunterricht vorsehen und dadurch zu einer wesentlichen Mitgestaltung des staatlichen, zu religiös-weltanschaulicher Neutralität verpflichtetem Ethikunterricht durch bekenntnismäßig gebundene Lehrkräfte führen. Zudem steht bei der gegenwärtigen Kooperationspraxis eine strukturelle Bevorzugung etablierter Religionsgemeinschaften – wie der beiden großen christlichen Kirchen – zu befürchten, was eine Gefährdung nicht nur des Neutralitätsgebots, sondern auch des Gleichheitsgrundsatzes bedeuten würde. Eine genaue Untersuchung der praktizierten Kooperationsmodelle ist von der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung zwar angekündigt, aber noch nicht vorgelegt worden.

Eine Darstellung der gegenwärtigen Praxis der Kooperation im Ethikunterricht in Berlin sowie die  schul- und verfassungsrechtliche Bewertung dieser Praxis kann dem im Auftrag der Humanistischen Union Berlin-Brandenburg erstellten Rechtsgutachten von Dr. jur. Kirsten Wiese entnommen werden.