- 27.05.08

Zwischen religiös-weltanschaulicher Neutralität und konfessionellem Wahrheitsanspruch

Andrea Härtel

Warum ist es problematisch, wenn Religionsunterricht als ordentliches (staatliches) Lehrfach eingeführt wird?

Auch als Organisator des bekenntnisgebundenen Religionsunterrichts in einem ordentlichen Lehrfach ist der Staat zu religiös-weltanschaulicher Neutralität verpflichtet. Er darf sich nicht mit dem konfessionellen Wahrheitsanspruch einer bestimmten Religion identifizieren (Art. 140 GG i.V.m. Art. 137 Abs. 1 WRV).

Unter diesen Vorgaben muss der Staat einen waghalsigen Spagat vollziehen: Er ist zwar im Grundsatz verantwortlich für den Religionsunterricht – soll ihn beaufsichtigen, durchführen und finanzieren –, die inhaltliche Verantwortung jedoch kann er für den Bekenntnisunterricht nicht übernehmen. So wacht der Staat zwar über die fachliche und pädagogische Qualität von Lehrpersonal und Unterrichtsmaterialien. Die inhaltlichen Grundsätze des Religionsunterrichts werden jedoch allein von den Religionsgemeinschaften vorgegeben und sind auf die Glaubenswahrheiten einer bestimmten Religion ausgerichtet. Und auch die Lehrkräfte für den Religionsunterricht werden zwar vom Staat eingestellt, bezahlt und formal beaufsichtigt, benötigen jedoch zusätzlich eine Bevollmächtigung der jeweiligen Religionsgemeinschaft. Ein unmittelbares Weisungsrecht der Religionsgemeinschaft gegenüber den von ihnen beauftragten Lehrerinnen und Lehrern besteht dabei nicht.