- 27.05.08

Warum kann Religionsunterricht nicht Ethikunterricht ersetzen?

Andrea Härtel

Unterschiede zwischen bekenntnisgebundenem und religionskundlichen Unterricht

Nach dem Grundgesetz wird der Religionsunterricht „in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaft“ erteilt (Art. 7 Abs. 3 Satz 2 GG), was ihn vom allgemeinbildenen religionskundlichen Unterricht abgrenzt. Dieses Übereinstimmungsgebot hat das Bundesverfassungsgericht in seinem Beschluss vom 25. Februar 1987 so ausgelegt, dass der Religionsunterricht „in 'konfessioneller Positivität und Gebundenheit'“ zu erteilen ist:

„Er [der Religionsunterricht] ist keine überkonfessionelle vergleichende Betrachtung religiöser Lehren, nicht bloße Morallehre, Sittenunterricht, historisierende und relativierende Religionskunde, Religions- oder Bibelgeschichte. Sein Gegenstand ist vielmehr der Bekenntnisinhalt, nämlich die Glaubenssätze der jeweiligen Religionsgemeinschaft. Diese als bestehende Wahrheiten zu vermitteln, ist seine Aufgabe“ (BVerfG, 1 BvR 47/84 vom 25. Februar 1987, S. 244f.; eig. Hervorh.).

Während der Religionsunterricht im Sinne des Grundgesetzes sich also als bekenntnisgebundener Unterricht inhaltlich auf eine konkrete Religion bezieht und somit den „besonderen Wahrheitsanspruch religiösen Glaubens“ mit einschließt, erfolgt im religionskundlichen Unterricht die „bekenntnismäßig neutrale Vermittlung von Informationen über eine oder mehrere Religionen“ (Classen 2006: 193).