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Berliner Parlament diskutiert über Pro Reli

Axel Bußmer

Am Donnerstag, den 29. Mai, wurde während der Aktuellen Stunde des Abgeordnetenhauses von Berlin über den Ethikunterricht gesprochen. Einen Tag früher veröffentlichte das Meinungsforschungsinstitut Forsa eine Umfrage, in der sich eine breite Mehrheit von 84 Prozent der Befragten für den gemeinsamen Ethikunterricht aussprach.

 

Die Berliner Zeitung (Umfrage, Debatte), Morgenpost, Tagesspiegel, taz, Pro - Christliches Medienmagazin und Rheinischer Merkur (nur über die Umfrage) berichteten davon.

Die Morgenpost schreibt über die Umfrage:

Der gemeinsame Ethikunterricht, der seit dem Schuljahr 2006/07 Pflichtfach an den Berliner Schulen ist, stößt in der Berliner Bevölkerung nach einer neuen Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Forsa auf breite Zustimmung. Die vom Humanistischen Verband in Auftrag gegebene Umfrage - befragt wurden 1005 Berliner ab 14 Jahren zwischen dem 30. April und dem 21. Mai - ergab, dass 84 Prozent der Berliner für einen gemeinsamen Ethikunterricht aller Schüler sind. Zwölf Prozent der Befragten äußerten hingegen, dass Schüler, die einen christlichen oder islamischen Religionsunterricht besuchen, künftig nicht mehr am Ethikunterricht teilnehmen sollten. Vier Prozent machten keine Angaben. (...)

Mariam Hussein, Forsa-Mitarbeiterin, sagte: "Die Ergebnisse der jüngsten Umfrage und die der Umfrage in der Berliner Zeitung sind nicht vergleichbar, weil es sich um unterschiedliche Fragen mit unterschiedlichen Schwerpunkten handelt."

 

Der Tagesspiegel schreibt zur Debatte:

Die Debatte blieb weitgehend sachlich. Keine Spur von Kirchen- oder Kulturkampf. Die Redner aller Fraktionen betonten, dass niemand dies wolle. Nur der CDU-Mann Sascha Steuer setzte sich von dem Bemühen ab, friedlich miteinander umzugehen – er warf den Linken vor, sie seien in ihrer atheistischen Mission so verblendet, dass die Religion in den Schulen an den Rand gedrängt werde. (...)

Mieke Senftleben von der FDP sprang dem Christdemokraten zur Seite. (...) Nicht nur die Grünen, sondern auch SPD und Linke sahen das anders. „Warum sollten wir angesichts der großen Akzeptanz in der Bevölkerung für den Ethikunterricht nicht an unserem erfolgreichen Modell festhalten?“, fragte die SPD-Politikerin Tesch. Der Linken-Abgeordnete Steffen Zillich merkte an, dass der neue Ethikunterricht bereits Wirkung zeige „und das Klima an diesen Schulen sich positiv verändert“. (...)

Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD), der Religion als Wahlpflichtfach aus Rheinland-Pfalz noch kennt, plädierte gestern engagiert dafür, „den Berliner Weg weiterzugehen und zu entwickeln“. Die Schüler hätten das Fach Ethik gut angenommen, das ein Beitrag für gegenseitige Akzeptanz und Dialogfähigkeit sei.

Die Berliner Zeitung schreibt über die Aktuelle Stunde:

Im Abgeordnetenhaus waren die Fronten gestern klar: SPD, Linke und Grüne kämpften für den vor zwei Jahren eingeführten Ethikunterricht für alle, CDU und FDP für Wahlfreiheit. (...) Auch Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) lehnte Veränderungen an: "Das Modell hat sich bewährt und wird angenommen." (...)

Özcan Mutlu (Die Grünen) schloss sich (...) der rot-roten Koalition an: "Die Aufteilung der Schüler nach Glaubenszugehörigkeit kann keine integrative Wirkung entfalten, sondern würde die Abgrenzung weiter verstärken." Mutlu warnte davor, dieses Volksbegehren wie beim Flughafen Tempelhof parteipolitisch zu instrumentalisieren. Das jedoch ist schon geschehen - und wie bei Tempelhof sind die Fronten klar.

 

Hinweis: die Januar-Umfrage der Berliner Zeitung